Training Nachsuche oder Nachtsuche

Nachsuche ja oder nein? Oder wird aus der Nachsuche eine Nachtsuche? Diese Fragen stellt man sich, wenn im letzten Büchsenlicht oder in der Nacht ein Stück Wild beschießt und dieses nicht im Feuer liegt. Erste Zweifel kommen auf: “Bin ich nicht gut abgekommen?”, “Schießt die Büchse nicht dorthin, wo ich hinziele?” Oft ist der eigentliche Grund am anderen Ende, hinter dem Schaft, zu suchen. Da wären zu seltenes Übungsschießen, eine lange nicht verwendete Waffe oder ganz einfach die Situation, die den Schützen bei der Jagd überfordert, wenn zum Beispiel auf freiem Feld die Entfernung nicht richtig eingeschätzt wird.

Wildschwein
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Ist überhaupt Schweiß da?

Dann geht Man(n) oder Frau Jäger-in gerne einmal selbst nachschauen ob “Schweiß“ da ist. Die einzigen verwertbaren Schusszeichen werden da oft vertreten und in der Umgebung verteilt, sodass der Hund gleich zu Beginn einmal die richtige Fährte finden muss. Findet man das Stück nicht und besitzt vielleicht ein Wärmebildbeobachtungsgerät, schaut man ob es „liegt“. Findet man dann Schweiß, folgt ein Wechselbad der Gefühle zwischen “Hurra, hab’s eh getroffen” zu “Oje, aber wo hab ich es getroffen”.

Wir brauchen einen Hundeführer!

Jedenfalls muss jetzt ein Hund her. Aber wenn im Revier kein Nachsuchehund vorhanden ist (nicht jeder Hund, der zur Jagd mitgenommen wird, ist für die Nachsuche geeignet), beginnt man herumzutelefonieren. Mal schauen, wer wohl abhebt, so mitten in der Nacht. Jetzt kommt es auf das Geschick des Jägers an, den Hundeführer zu bewegen, in der Nacht seinen Hund auf die Fährte eines unter Umständen wehrhaften Wildes anzusetzen. Jeder Hundeführer muss selbst abschätzen, ob eine Nachsuche in der Nacht sinnvoll erscheint oder nicht.

Nachsuche ja oder nein – 2 Richtlinien

Die Literatur rät, nicht vor Ablauf von vier Stunden mit einer Nachsuche zu beginnen. Die Lebensmittelhygiene empfiehlt hingegen je nach Temperatur das Aufbrechen und Versorgen eines Großwildes (wie eines Reh oder einer Sau) innerhalb von vier Stunden. Zwei Richtlinien also, die einander gegenseitig ausschließen. Oft überwiegt auch der Wille, das erlegte oder angeschweißte Stück zu finden und stellt jegliche Vernunft hintan. Selbst auferlegte Regeln wie “100 Meter, dann wird abgebrochen und am nächsten Morgen wieder gesucht” werden selbst außer Kraft gesetzt, da viele Nachsuchen dann einfach gar nicht mehr stattfinden. Der Schütze, der das Stück angeschossen hat, hat am nächsten Tag keine Zeit oder der Hundeführer hat keine Möglichkeit am nächsten Tag wieder die Nachsuche zu starten.

Nachsuche als Nachtsuche

Also wird in der Nacht weitergesucht. Das ist ein gefährliches Unterfangen, das man nur starten sollte, wenn Lungenschweiß erkennbar ist und die verendete Sau mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch gefunden wird.

Eine Nachtsuche mit Lebendkontakt ist selbst für erfahrene Hunde und Hundeführer mit extremen Risiken verbunden. Im nächsten Artikel schreibe ich über Schutzausrüstung für Hund und Hundeführer und geeignete Utensilien zur Nachsuche.

Euer Wienerwaldler

Übrigens könnt ihr mit mir gezielt die Nachsuche bzw. die Nachtsuche trainieren. Mehr Infos findet ihr hier: Schießtraining “Jagd-Nachsuche” mit Gewehr Schießtraining “Jagd – Nachsuche” Gewehr und/oder Pistole.

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