Wo liegen die Unterschiede? Und spielt das überhaupt eine Rolle?

Gemeinsamkeiten des Verteidigungsschießen und Sportschießen

Kommen wir zunächst zu den Gemeinsamkeiten:

Beide Disziplinen haben im Grunde sehr viele Gemeinsamkeiten und gleichzeitig nichts miteinander zu tun.

Beide Disziplinen verwenden Schusswaffen zur Ausübung. Das heißt wir verwenden Waffen der unterschiedlichen Kategorien und schießen bewusst auf ein von Schützen definiertes Ziel mit der Entscheidung über das “Darf ich?” und “Kann ich?”.

Die Schießfertigkeit und Schießtechniken sind in ihrer Grundlage ähnlich. In beiden Fällen steht Sicherheit an oberster Stelle und gleichzeitig versucht man so schnell und präzise wie möglich sein Ziel zu treffen.

Damit ist es aber schon so gut wie zu Ende.

Unterschiede zwischen Verteidigungsschießen und Sportschießen

Die Unterschiede zwischen den beiden Disziplinen sind im Detail sehr gravierend.

Regeln oder Reglement:

Beim dynamischen Sportschießen handelt es sich letztendlich um eine Sportart bzw. Sportdisziplin. D.h. sie unterliegt in jedem Fall einer Sportordnung bzw. Regeln. Anders gesagt, wie in jedem Sport müssen sich alle Teilnehmer an dieselben Spielregeln halten, um sich im Rahmen von Trainings und Bewerben miteinander messen zu können. Egal welcher Verband oder Verein, sie alle unterliegen internationalen Reglements, sofern in den Statuten festgehalten, die sie letztendlich zu ordentlichen Schützenvereinen und ihre Mitglieder zu Sportschützen machen. Der ISB zum Beispiel veranstalten gemeinsam mit der Edelweiss Adventure regelmäßig verbandskonforme Bewerbe im Rahmen des IVS Reglements. IPSC ist ebenfalls ein mittlerweile hoch professioneller Sport, zu dem Staats-, Europa-, und Weltmeisterschaften der Superlative veranstaltet werden.

Beim Verteidigungsschießen geht es grundsätzlich um keinen Sport aber sehr wohl um dynamisches Schießen. Wie viele Selbstverteidgungskurse oder Techniken unterliegen sie keiner Sportordnung, sondern den Erfahrungsberichten von professionellen Ausbildern, die eine Schusswaffe zur Selbstverteidigung zum Einsatz bringen mussten oder zahlreichen Videoanalysen. Den gesetzlichen Rahmen, bildet im Grunde einzig und allein der Notwehr Paragraph.

Sportliche Ausnahme zum Verteidigungsschießen bildet der ISB mit seiner Sportordnung zum IVS “Internationales Verteidigungsschießen”, wo versucht wurde ein möglichst realitätsnahes Reglement zur Selbstverteidigung mit der Schusswaffe abzubilden. Wesentlich bei Bewerben nach IVS ist, dass die Regeln oft eine geringe Schussanzahl pro Stage vorsehen, Fehltreffer stark und Treffer auf “Unbeteiligte” sehr stark bestraft werden, und die Wahrnehmung bzw. die Entscheidung für oder gegen den Schuss üblicherweise ein wichtige Rolle spielen.

Sicherheit:

Beim Sportschießen liegt die Begriffsdefinition der Sicherheit vor allem darin, dass weder der Schütze, die Richter, die Anlage noch andere Athleten oder Zuschauer verletzt werden könnten. Die Sicherheitsregeln sehen möglichst jede Kleinigkeit vor, um eine ungewollte Schussabgabe zu verhindern bzw. im Falle eine Richtung zu definieren, wo letztendlich nichts passieren kann. D.h. die Mündung zeigt immer in einen gesicherten Kugelfang bzw. dafür vorgesehen Vorrichtungen.

Beim Verteidigungsschießen bedeutet Sicherheit nicht nur Sicherheit, dass niemandem oder etwas verletzt und/oder zerstört wird, sondern auch Feuerbereitschaft. D.h. sollte eine Schusswaffe in der Notwehrsituation NICHT feuerbereit sein, gilt dies ebenfalls als unsicher.

“Die Waffe darf nicht schießen, wenn wir nicht wollen. Muss aber sicher schießen, wenn wir wollen!”

Andreas Steindl, CEO Edelweiss Adventure

Man kann also sagen, dass im Rahmen des Verteidigungsschießen ein Umfeld trainiert wird, in dem es u.U. keinen Kugelfang gibt oder ein klar definiertes Umfeld. Umso wichtiger wird wieder die Wahrnehmung.

Zielmedien

Beim Sportschießen wird auf eindeutig definierte Ziele gem. Sportordnung geschossen. Diese reichen von 10er Ringscheiben, Ovale, Symbole oder Reaktivziele.

Beim Verteidigungsschießen werden nur Standardzielscheiben mit Solltrefferflächen (z.B.: unser berühmtes Oval) verwendet. Diese werden jedoch um Bedrohungsscheiben erweitert. Beschießbare Ziele sind in diesem Fall lediglich jene, die eine Bedrohung oder einen Feind widerspiegeln. Dieser ist definiert als jemand, der letztendlich 3 Kriterien zur Gewalt darstellt:

  • Den Willen zur Gewaltanwendung (Aufmerksamkeit, Fokus,…)
  • Die Möglichkeit zur Gewaltanwendung (Schusswaffe, Hieb- oder Stichwaffe,…)
  • Die Gelegenheit zur Gewaltanwendung (Distanz, Technik,…)

Nur wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann von Notwehr ausgegangen werden.

Achtung: Im sportlichen Rahmen der IVS oder auch IDPA Regeln wird immer ein strenger Maßstab zur Vergleichbarkeit mit der Realität angenommen. Trotzdem und WICHTIG ist jedoch, dass diese Regeln NICHT den Notwehrparagraphen und seine Judikatur ersetzen.

Schießtechnik

Beim Sportschießen spielen die Treffer und die Zeit und ihre Kombination, der Faktor, die wichtigste Rolle. Der Schütze, der die beste Balance zwischen Treffer UND Geschwindigkeit erzielt, hat üblicherweise die Nase vorne. Fehltreffer oder die schlechtesten Treffer werden oft nicht gezählt oder wirken sich lediglich mit weniger Punkten aus. Ein mehrfaches Beschießen ist ebenfalls oft erlaubt und wirkt sich lediglich auf die Schießzeit aus.

Beim Verteidigungsschießen gilt grundsätzlich “Deckung vor Wirkung”. Anders ausgedrückt versuchen wir primär uns selbst bzw. unsere Waffe zu schützen. Insofern spielen Deckungen und Zielverkleinerungen (Anschlagarten) eine wesentliche Rolle. Sportlich hat jener Schütze die Nase vorne, der die beste Balance zwischen Treffer VOR Geschwindigkeit erzielt. Dies beruht auf dem Prinzip, dass das Ziel eben NICHT verfehlt werden darf, egal wie groß die Solltrefferfläche oder die Verhältnisse sind.

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